Blog: Monatsarchiv für August 2009

Adrian Tomine und Dan Clowes auf dem “New Yorker”

Für die Juni-Doppelausgabe gestaltete es Dan Clowes, für die aktuelle Ausgabe Adrian Tomine: Das Cover der Kulturzeitschrift “The New Yorker”. Sehr hübsch!

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Geschrieben von Christian Maiwald am 19. August 2009 um 11:26 Uhr

Comics machen: Übersetzung

Nachdem zuletzt das Lettering näher betrachtet wurde, schreibt heute Kai Wilksen über seine Arbeit als Übersetzer und die besonderen Anforderungen bei der Übertragung von fremdsprachigen Comics ins Deutsche.

Kai Wilksen lebt und arbeitet als freier Übersetzer in Freiburg im Breisgau und betreibt mit dem Passe-Partout Buchservice eine unverzichtbare Bezugsquelle für französische Comics in Deutschland.

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Comics machen: Übersetzung

Schon ein kurzer Blick auf die graphische Literatur in anderen Sprachen macht deutlich, dass es die Comicfreunde ziemlich gut haben, die Englisch und Französisch lesen können. Für alle anderen gibt es zum Glück immerhin mehr und mehr Übersetzungen.

Seit einigen Jahren übersetze ich jetzt Comics, zunächst nur sporadisch, mit den Jahren immer mehr und mittlerweile in einem Umfang, dass es zum wichtigsten Teil meiner Arbeit geworden ist. Aktuell übersetze ich für Reprodukt, Carlsen, den avant-verlag und ab und zu für Cross Cult unterschiedlichste Comics aus dem Französischen (unter anderem von Lewis Trondheim, Christophe Blain, Manu Larcenet, Joann Sfar, David B. und Blutch), habe früher aber auch für andere Verlage gearbeitet und auch aus dem Englischen übertragen. Unterschiedlichste Comics: Der Reiz und die Herausforderung meiner Arbeit liegt vor allem in der nun wirklich großen Bandbreite der Bücher – von Killoffers intellektuellen Spiegelfechtereien (“Sechshundertsechsundsiebzig Erscheinungen von Killoffer“) zum konventionellen Genre-Album (zum Beispiel “Die Lichter des Amalu“, Carlsen oder “Ich bin Legion“, Cross Cult), von Joe Matts drastischer “Peepshow“ (Edition 52) zum zart-philosophischen “Kleinen Prinzen“, von der dokumentarischen Seriosität in Ho Che Andersons “Martin Luther King“ (beide Carlsen) zum manchmal übermütigen Klamauk einiger “Donjon“-Bände.

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Bei all diesen so gegensätzlichen Büchern (oben zu sehen: eine Szene aus Frederik Peeters “Blaue Pillen”) ist es das Wichtigste, den jeweils richtigen Sound zu treffen. Der Übersetzer wird zum Chamäleon, das sich die Sprache, den Geist, na ja, die Welt des jeweiligen Comics möglichst genau anzuverwandeln versucht. Dabei gibt es – ich denke, ähnlich wie beim Film – zwei entscheidende Unterschiede zu klassischen Literaturübersetzungen: zum einen die Dominanz der Dialoge, zum anderen die Einschränkung durch den vorgegebenen Platz.

Zum einen gilt es also sehr genau darauf zu achten, wie die Figuren sprechen. Im “Skorpion“ (Carlsen) reden die Gestalten zum Beispiel wie in einem alten Mantel-und-Degen-Film, “Der kleine Christian“ verwendet dagegen den typischen Jargon von Kindern und Jugendlichen in den 70er-Jahren, “Blotch – Der König von Paris” (avant-verlag) befleißigt sich wiederum häufig eines ausgesprochen gestelzten Stils und das Personal in “Aya” (Carlsen) unterhält sich in einem hinreißenden afrikanischen Französisch, dem man sich in der Übersetzung allenfalls annähern kann (zum ersten und einzigen Mal habe ich bedauert, dass Deutschland so früh seine Kolonien verloren hat…).

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Kennzeichnend für die meisten aktuellen Autorencomics ist jedoch der Gebrauch einer lebensnahen Umgangssprache: Die Autoren schreiben so wie sie sprechen. Selbst die Figuren des 18. Jahrhunderts in “Isaak der Pirat” oder in “Insel Bourbon 1730″ sondern keine Worthülsen à la Alexandre Dumas ab, sondern reden wie (heutige) Menschen aus Fleisch und Blut. Dummerweise ist die Alltagssprache sowohl im Französischen als auch im Englischen sehr viel reicher an eigenen Ausdrücken und Wörtern als im Deutschen. Um den richtigen Ton zu treffen, muss man also einen Weg zwischen der blutleeren deutschen Hochsprache und einem vulgären Slang zu finden versuchen. Sehr viele dieser Dialoge lassen sich daher nicht Wort für Wort übertragen.

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Das liegt aber auch – und damit komme ich zum zweiten entscheidenden Unterschied zur Literaturübersetzung und zur besonderen Herausforderung meiner Arbeit – am eingeschränkten Platz. Deutsche Formulierungen sind in der Regel länger als ihre Entsprechungen im Englischen und auch im Französischen, und der Raum in Sprechblasen und Textkästen ist nun mal beschränkt. Häufig genug kommt es also vor, dass mir bei einem Satz gleich eine genau treffende Übersetzung einfällt, ich mir dann aber mehr oder weniger lange Gedanken darüber machen muss, wie ich die Aussage und den Tonfall in eine kürzere Form bringen kann. Beiläufige Unterhaltungen bereiten mir dabei oft mehr Kopfzerbrechen als längere Texte mit kompliziertem Satzbau und elaborierter Wortwahl. Solche langen Passagen schreibe ich wiederum manchmal schlicht ab und bastele an der deutschen Version so lange herum, bis sie in etwa gleich lang ist wie die Stelle im Original. Meist komme ich auch aus diesem Grund nicht umhin, mich vom Wortlaut zu lösen und etwas freier zu übersetzen.

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Besonders frei – und mit besonders großem Vergnügen – versuche ich mich naturgemäß an Wortspielen, Versprechern und Reimen, die ich im Rahmen des Kontextes neu erfinden muss. Als zum Beispiel “Der kleine Christian” ein französisches “Tintin”-Album statt “Le Sceptre d’Ottokar” (“König Ottokars Zepter”) “Le Spectre d’Ottokar” (wörtlich “Ottokars Gespenst”) nennt, galt es, den Titel eines deutschen “Tim-und-Struppi”-Albums zu finden, der ein Kindern unvertrautes Fremdwort enthält. So habe ich aus dem “Arumbaya-Fetisch” den “Arumbaya-Fisch” gemacht. In “Donjon 103: Armageddon” habe ich mir einen Spaß daraus gemacht, neue Krankheiten zu erfinden (siehe oben), und in “Blotch – Der König von Paris” habe ich in einem Kapitel gleich eine ganze Operette nachgedichtet.

Bei allen Freiheiten, die ich mir immer wieder erlaube, geht es mir, dem Chamäleon, jedoch selbstverständlich immer nur darum, dem Original so nahe wie möglich zu kommen. Wie bei Romanen, Sachbüchern oder Filmen gilt auch beim Comic: Einer guten Übersetzung merkt man nicht an, dass sie eine Übersetzung ist.

– Kai Wilksen

(Die Abbildungen lassen sich mit einem Klick auf die rechte Maustaste vergrößern.)

Geschrieben von Christian Maiwald am 18. August 2009 um 14:29 Uhr

Zusätzlicher Essay in “Mumins” 2

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Im Mitte September erscheinenden, zweiten Band der Reihe “Mumins – Die gesammelten Comic-Strips von Tove Jansson” wird ein exklusives Nachwort über die “Die Erscheinungsgeschichte der Mumin-Comics im deutschsprachigen Raum” erscheinen.

Darin beleuchtet der Bremer “Muminist” Christian Panse, der das umfangreiche (und im deutschsprachigen Raum einzigartige) “Muministische Forschungszentrum” betreibt, welche Besonderheiten es dabei gab: Unvollständiges Erscheinen, krude Übersetzungen und nachträgliche Kolorierungen der eigentlich in schwarzweiß erschienenen Strips spielen dabei eine Rolle.

Deutlich wird dabei der unterschiedliche Umgang mit dem Material: Wurden früher häufig Bilder und Texte gerne in ein bestimmtes Reihenformat gepresst – egal ob es den vorgegebenen Originalzeichnungen gerecht wurde oder nicht – steht heute eine möglichst originalgetreue Reproduktion im Vordergrund.

Geschrieben von Christian Maiwald am 17. August 2009 um 12:38 Uhr

“Sag mal, Mama… Was ist das eigentlich, ein Krisenkind?”

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In der heutigen Ausgabe des “Tagesspiegel am Sonntag” findet sich wieder ein Comic von Arne Bellstorf. Wenig überraschend wesentlich aufgeräumter als Mawils letzte Beiträge lässt sich auch diese Kurzgeschichte wieder online ansehen.

Geschrieben von Christian Maiwald am 16. August 2009 um 10:51 Uhr

Der Comic-Zeichner Ralf König über ”Der alltägliche Kampf” von Manu Larcenet

10131319Bereits am 8. August hat Ralf König in der Rubrik “Auf meinem Nachtisch” der Sendung “Bücher” auf WDR5 “Der alltägliche Kampf” von Manu Larcenet als Lektüre empfohlen.

Autorin des Beitrags ist Sabine Fringes.

Der Comic-Zeichner Ralf König über “Der alltägliche Kampf” von Manu Larcenet

”Der alltägliche Kampf” erzählt die Geschichte des jungen Fotografen Marco, den immer wieder die Probleme des Alltags einholen. Er hat Schwierigkeiten mit seiner Freundin, seine Eltern altern zusehends, und sein Vater erkrankt an Alzheimer. Auch seine Fotokunst kann er nicht so leicht an den Mann bringen. ”Der alltägliche Kampf” ist eine melancholische, leise erzählte Geschichte über das Erwachsenwerden, die Liebe und ihre Konsequenzen. mehr

Die komplette Sendung gibt es auch zum Nachhören und als Download im Internet.

Foto: Hermann Wöstmann

Geschrieben von Dirk Rehm am 14. August 2009 um 11:31 Uhr

“Paulinchen allein zu Haus”

fil_atak_struwwelpeter_innenTobias Rüther schreibt auf FAZ.net über Fils und ATAKs Cover-Version des Kinderbuch-Klassikers “Der Struwwelpeter”. Das Buch ist bei Kein & Aber erschienen, die Ausstellung im Frankfurter “Caricatura-Museum” ist noch bis zum 20. September zu sehen.

Paulinchen allein zu Haus

Comics, hat der Berliner Zeichner Fil neulich in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt, sind nichts für Kinder. Die Geschichten seiner beiden Figuren, die ihn bekannt gemacht haben, die rabiat lustigen „Didi und Stulle“ also, würde Fil seiner kleinen Tochter nicht zum Lesen geben. Jedenfalls nicht, bevor sie zwölf oder dreizehn Jahre alt ist. „Falls sie ,Didi und Stulle‘ aber doch liest“, sagte Fil, „werde ich es ihr erklären – aber ich werde es nicht ändern.“ Er habe einmal einen Comic für Kinder begonnen, aber schnell gemerkt: „Oho, wenn ich das Vulgäre weglasse, fehlt mir mindestens fünfzig Prozent meines Humors.“ Und so gab es noch kein Kinderbuch von Fil – bis jetzt. mehr

Nachtrag: Für die “Berliner Morgenpost” hat Paul Schweickhardt am 11. August unter dem Titel “Jetzt ist der Struwwelpeter Berliner geworden” eine weitere Rezension des Buches geschrieben.

Geschrieben von Christian Maiwald am 11. August 2009 um 08:40 Uhr

Demnächst

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… kommt mit “Beinahe reich” noch ein weiteres Werk von Dupuy-Berberian, diesmal nach einem Szenario von Jean-Claude Denis.

Geschrieben von Dirk Rehm am 3. August 2009 um 23:35 Uhr

coming auch soon

Mitte September in den Geschäften: Die Reprodukt-Neuauflage von Dupuy-Berberians “Monsieur Jean 1: Die Liebe im Zeichen der Concierge”.

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Geschrieben von Christian Maiwald am 3. August 2009 um 13:54 Uhr

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