Schön war es mal wieder beim Internationalen Comix-Festival Fumetto in Luzern! Es gab wieder reichlich sehenswerte Ausstellungen, in der gewohnten erfreulichen Qualität. In diesem Jahr hat sich vielleicht der Schwerpunkt noch etwas mehr in Richtung Kunst verschoben, oder wird womöglich auch nur die Schnittmenge zwischen Kunst und Comic größer?

© Fumetto/Peter Normann
Blutch war Artist in Residence, weshalb es gleich an zwei Orten Arbeiten von ihm zu sehen gab. Im Im Hotel Schweizerhof, wo er residierte und zeichnete, kam jeden Tag eine eigenwillige Ansicht von Luzern zu den ausgestellten Originalseiten aus “Le petit Christian” hinzu. Blutch zeichnete hier unter anderem “La Naissance de Lucerne”, ebenso wie die “L’Apocalypse”, die an seinem letzten Tag als temporärer Stadtschreiber entstand. Diese farbige Zeichnungen zeigen eine andere Seite des Künstlers, sie wirken surrealistisch, etwas verspielt und bisweilen ziemlich abgründig. So hatte man Luzern zuvor noch nie gesehen!
Zum Gespräch mit Christian Gasser in seiner zweiten Ausstellung im Picasso-Museum erschien Blutch heiter und auskunftsfreudig. Lebhaft vertrat er die Ansicht, dass es tödlich sei, seine künstlerische Arbeit allzu routiniert zu erledigen. Gerade Comiczeichner seien gefährdet schlecht zu altern, wenn sie nämlich erfolgreiche Serien immer weiter betrieben, anstatt beweglich zu bleiben und sich weiter zu entwickeln. Bei Blutch muss man jedenfalls sicher nicht befürchten, dass seine Kreativität bald auf der Strecke bleibt.

© Fumetto/Peter Normann
Sehr erbaulich und lehrreich war auch der Vortrag von Nicolas Mahler, in dem er freiwillig all die Fragen beantwortete, von denen er in Interviews eigentlich lieber verschont bliebe. Zum Beispiel.: “Zeichnen Sie eigentlich absichtlich so schlecht, oder können Sie es nicht besser?”, “Was ist lustig?” und viele andere mehr. Wer da war, weiß jetzt mehr.
Die Ausstellung von Amanda Vähämäki befand sich in einem Kellergewölbe etwas abseits, der Besuch war aber dennoch eine Freude, denn ihre ausgestellten Arbeiten waren einfach wunderschön. Damit wächst die Vorfreude auf das Buch von Amanda noch mehr, das im Herbstprogramm bei Reprodukt erscheinen wird!
Leider waren die Besuche der internationalen Gäste auf zwei Wochenenden verteilt. So habe ich den großartigen David Shrigley verpasst und auch Rutu Modan nicht treffen können. Das ist schon ein Wermutstropfen, denn ein Festival wie das Fumetto hat auch die Funktion, die internationalen Netzwerke zu stärken. Aber wer weiß – vielleicht sieht das ja im nächsten Jahr schon wieder anders aus. Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon auf das Fumetto 2010!